Schockverliebt

Ich bin ein Freund der Sprache. Jemand, der mit Worten umgehen kann, hat ziemlich sicher meine Aufmerksamkeit, auch wenn mir das von ihm Gesagte vielleicht nicht gefällt.

Aus diesem Grunde lese ich furchtbar gerne Texte von Thomas Fischer. Der Mann hat eine Art zu schreiben, die genau mein Ding ist. Manchmal (zu) polemisch, manchmal witzig aber immer scheint durch, das er weiß, wovon er schreibt. Ich gestehe, das ich nicht immer auf Anhieb verstehe, was er sagen will, aber selbst das Zweitlesen ist noch ein Vergnügen.

Seine Kolumne “Fischer im Recht” auf zeit online habe ich verschlungen. Leider war nach 118 Ausgaben schon Schluß. Jetzt treibt er sich hier und da herum, bei Spiegel online zum Beispiel. Wann immer ich auf etwas von ihm stoße weiß ich, es stehen vergnügliche zehn Minuten bevor.

Sollten sie Spaß an Sprache haben und nebenbei auch neuen Erkenntnissen nicht abgeneigt sein, kann ich ihnen den Mann ans Herz legen.

Herr, lass Hirn regnen…

oder Steine, hauptsache du triffst.

Ich mag Verschwörungstheorien. Nicht, das ich einer anhänge, aber ich schaue gerne zu, was die Gläubigen so von sich geben. Dazu frequentiere ich mehr oder weniger täglich drei Webseiten:

  1. Dinge, die Impfgegner sagen
  2. Die lockere Schraube
  3. Der goldene Aluhut (leider derzeit in Überarbeitung)

Was sich da an geistig erloschenen tummelt geht auf keine Kuhhaut. Da werden Theorien gewälzt, die jeder neuntklässler, der nicht permanent Kreide holen war, problemlos widerlegen kann. Beweise für diese Theorien stammen grundsätzlich von YouTube oder (für die Fortgeschrittenen) aus Channelings. Das ist, wenn Außerirdische mit dir reden. Meiner Meinung nach reden sie aus zwei Gründen mit einem:

  1. Du hast eine ausgewachsene und unbehandelte Psychose,
  2. Das was du eingeworfen und/oder geraucht hast war nicht gut.

Diskussionen sind auch immer wieder erfrischend zu beobachten. Oft laufen sie nach diesem Muster ab:

“Die Erde ist flach.”

“Nein, hohl.”

“Verpiss Dich, Systemtroll.”

Das, meine Freunde, ist Rhetorik auf allerhöchstem Niveau. Außerdem ist es ein unverstellter Blick in den Hohlraum, den die beteiligten Diskutanten zwischen ihren Ohren spazieren tragen.

Manchmal passiert es auch, das jemand Informationen braucht. Da ist er bei den anderen aber an die Falschen geraten. Solche Fragen werden grundsätzlich mit einem “Informier dich selber…” abgebügelt. Die höflichere (wenn man das so nennen will) Variante ist etwas wie “Ich habe gerade keine Zeit, die Links herauszusuchen, google nach blabla.”. Was man aber nie bekommt, ist eine konkrete Antwort. Begeht man dann die Todsünde, weiter nachzufragen, wir der Ton rauer und am Ende steht gerne mal der Rauswurf aus der Facebookgruppe.

Unter der Härtesten, die ich auf diesen Seiten gefunden habe, sind aber die, die sich Chlorbleiche (sie nennen es MMS) in beide Enden des Verdauungstraktes kippen. Wenn ihnen dann übel wird, sie auf dem Weg zum Klo kollabieren oder ihre verätzte Darmschleimhaut ausscheißen (sorry, aber einer hat davon ganz stolz ein Foto gepostet) dann gehen sie nicht zum Arzt. Um Gottes willen. Sie tun das einzig vernünftige: sie fragen ihre Facebookgruppe, ob sie weitermachen sollen. Dreimal dürfen sie raten, wie die Antworten ausfallen. Was in diesen Kreisen noch nicht so richtig Anhänger gewinnen konnte, ist das Trinken von Petroleum. Sieht man mal hier und da, aber die Fangemeinde ist überschaubar. Knallt wahrscheinlich nicht genug.

Es gibt noch anderes Fachpersonal, aber die spare ich mir für ein anderes Mal auf.

Was gibt es denn so neues?

Also, es ist ja einige Zeit vergangen, seit ich mich das letzte mal hier ausgelassen habe. Weil aber nichts statisch ist, hier mal eine kurze Zusammenfassung der letzten Jahre:

  • ich bin immer noch mit der Kleinen verheiratet und immer noch gerne,
  • das Schnittchen ist inzwischen eine kleine fünfjährige Schnitte mit einem Faible für pink, Pferde und Bibi und Tina, Pommes und Chicken Nuggets geworden,
  • Sohn feiert demnächst seinen sechzehnten Geburtstag. Das muss man sich mal vorstellen.
  • Weil der Mensch angeblich ein Hobby braucht, bin ich Imker geworden. In unserem Garten stehen derzeit vier Bienenvölker und gehen ihrer Arbeit nach,

Natürlich gab es auch Dinge in den vergangenen Jahren, die nicht so schön waren. Erfreulicherweise aber nur wenige.

  • Ich durfte aus erster Hand erfahren, was Mobbing mit einem anstellt. Sagen wir mal so: schön ist was anderes,
  • Meine Mutter hat eine ausgewachsene COPD bekommen. Auch da ist schön was anderes,
  • Meine Knie sind auch nicht besser geworden, aber das ist ja nicht überraschend.

Abgesehen davon geht es aber nach wie vor sehr entspannt in meinem Leben zu.

Wenn sich jetzt noch der eine oder andere Leser wieder hierhin verirren würde, wäre das die Kirsche auf der Sahne. Aber man soll ja nicht unbescheiden sein.

Ich bin wieder dahaa…!!!

Nachdem mein Hoster es geschafft hat, mein Blog unbenutzbar zu machen und auf meine dringende Bitte den alten Zustand wiederherzustellen alles noch schlimmer gemacht hat, habe ich nach nur drei Jahren die Sache selbst in die Hand genommen und nach einer halben Stunde Arbeit 99% ans Laufen gebracht.

Es geht also weiter. Das, worauf sie nicht gewartet haben, holt sie trotzdem ein.

Der Schlauschiesser ist zurück…

Ach, Freuden des Elternseins

Samstag, 6:42 Uhr. Man ist schon fast eine dreiviertel Stunde wach, aus dem Kinderzimmer brabbelt das Schnittchen vor sich hin.
So wie heute Nacht um viertel nach drei auch schon.
Die Eltern haben also einmal vier und dann noch einmal zweieinhalb Stunden geschlafen und sind dementsprechend drauf.
Ein schöner Tag zeichnet sich ab. Das kriegt die alles zurück wenn sie Teenager ist. Das weiß sie nur noch nicht.

Liebe Frauen,

um zu meinem Arbeitsplatz zu gelangen muß jeden Tag ein ganzes Stück mit dem Auto fahren. Den größten Teil davon Autobahn.

Und jeden verdammten Tag darf ich mich ärgern, wenn ihr gemütlich auf der Mittelspur vor euch hin fahrt, in eurer eigenen kleinen Welt, die euer Auto heißt. Gemütlich, nicht zu schnell, reisen statt rasen heißt das Motto. Sollt ihr ja auch machen, aber dann doch bitte auf der rechten Spur. Überholen könnt ihr mit eurem Tempo eh niemanden, dafür seit ihr aber allen anderen, die schneller als 110 km/h fahren, unglaublich im Weg.

Warum tut ihr das nicht? Ist die Aussicht rechts nicht schön? Fürchtet ihr den LKW da vorne (in ca. 400 Metern Entfernung)? Der tut nix, der ist nämlich schneller als ihr. Oder habt ihr die Spur einfach noch nicht gesehen? Verwechselt ihr sie mit einer Art zweiten Pannenstreifen? Oder seid ihr alle Rebellinnen, die sich gegen das System auflehnen, indem ihr auf das Rechtsfahrgebot scheißt? Habt ihr Angst vor Spurwechseln (diesem komplexen Vorgang aus in den Spiegel und über die Schulter schauen, blinken und ein wenig am Lenkrad drehen)? Habt ihr ob der rasenden Geschwindigkeit einen solchen Tunnelblick, das die Welt links und rechts eueres Autos verschwimmt?

Warum muß ich mich jeden Tag mehrfach entscheiden, ob ich euch rechts überhole (die Spur, auf der ich unterwegs bin) oder ob ich über zwei Spuren hinweg ganz nach links ziehe um danach wieder über zwei Spuren ganz nach rechts zu fahren. Denn da ist ja immer noch frei. Da wäre auch noch Platz für euch. Und der LKW da vorne tut wirklich nix.

Könntet ihr da ein klein wenig an euch arbeiten? Bitte?

 

Euer Schlauschiesser

P.S.: es ist mir natürlich klar, das Frauen den Mittelstreifen nicht exklusiv gepachtet haben. Männer können das auch. Aber auf der Autobahn, die ich nutze kippt das Verhältnis ganz eindeutig Richtung Frauen. Interessanterweise Frauen aller Altersstufen (18 jährige Fahranfängerin bis zur Seniorin) in allen möglichen Autos (vom Twingo mit aufgeklebten Wimpern bis zum Porsche Cayenne).

Ja wo laufen sie denn?

Die Bretagne ist ein toller Landstrich. Jetzt weniger vom Nachtleben her, denn das ist praktisch nicht existent. Sondern von den Möglichkeiten, seinen Tag zu verbringen. Die Kleine und ich nutzen die Zeit um um zu laufen. Wir sind kreuz und quer über die Ile de Brehat gewandert, den alten Zöllnerpfad entlang gelaufen, über Märkte und durch Ortschaften getigert. Am spaßigen und spannendsten aber sind die Klettereien in den Granitfelsen, die hier überall herumliegen. Das ist anstrengend und nicht ganz ungefährlich (die Dinger sind stellenweise glitschig wie Sau), belohnt aber mit den schönsten Rastplätzen um einen kleinen Snack zur Belohnung zu genießen. Wenn wir wieder zu Hause sind suche ich mal ein Foto dieser Felsen, damit Sie eine Idee davon bekommen, was ich meine.
Kulinarisch haben wir uns etwas gefangen. Nach dem etwas glücklosen Experiment mit den Bulots wurde auf weitere Spielereien verzichtet und seitdem ist auch nichts erstaunliches mehr auf den Tellern gelandet. Es sei denn, man möchte Rochelle als erstaunlich bezeichnen. Denn den gab es gestern.
Für heute steht noch kein Programm fest, daß wird aber noch.

Reisen bildet

Die Kleine und ich sind auf Reisen. Eine Woche lang nur wir beiden in der Bretagne. Kein einziges Kind begleitet uns, sie sind alle auf die Großeltern respektive den anderen Elternteil verteilt.
Das bedeutet auch, daß wir bei der Wahl des Essens keinerlei Rücksicht nehmen müssen. Was toll ist. Also haben wir in einem Restaurant am Ort das Menü bestellt. Weil mir, warum auch immer, der Sinn nach Abenteuer stand habe ich als Vorspeise etwas bestellt, dessen Namen ich zwar aussprechen kann, das mir ansonsten aber völlig unbekannt ist.
Jetzt weiß ich: Bulots sind Wellhornschnecken, die gekocht aber kalt serviert werden. Immerhin mit Knoblauchmayonaise.
War weder besonders super noch besonders eklig. So mittel eben.
Morgen befrage ich bei Zweifeln erstmal das Internet. So viel ist sicher.

Politik aktuell

Unsere Regierung hat etwas beschlossen. Das ist grundsätzlich gut, bedeutet es doch, daß die Damen und Herren sich ihre Diäten verdienen, anstatt sie einfach nur zu erhalten. Was sie allerdings beschlossen haben, läßt mich Galle kotzen ungläubig staunen.

Denn laut ihrem Beschluß soll nichts an der sogenannten kalten Progression ändern. Für die, die keine Lust haben den Wikipediaartikel zu lesen hier die Kurzform: sie bekommen eine Gehaltserhöhung von 100 Euro brutto im Monat. Davon sollten nach ihrer alten Einkommenssteuerklasse eigentlich 40 Euro netto bleiben (als Beispiel). Durch die Erhöhung rutschen sie in der Einkommenssteuer eine Klasse nach oben, so daß statt 40 nur noch 20 Euro bleiben (wieder nur ein Beispiel). Zusammen mit den gestiegenen Sozialversicherungsbeiträgen kommen Sie also mit dem gleichen Gehalt nach Hause wie vor der Erhöhung. Toll, oder?

Und obwohl gerade Geld da ist, das verteilt werden könnte (z.B. an die, die es erwirtschaftet haben. Sie und mich.) haben unsere Oberen beschlossen, daran nichts zu ändern. Weil, so die Begründung, es nicht im Koalitionsvertrag steht. Das sind übrigens die gleichen Leute, die im Februar keinerlei Mühe hatten, für sich selber eine zehnprozentige Diätenerhöhung durchzuwinken. Was läppischen 830 Euro mehr im Monat entspricht. Für jeden der 631 Abgeordneten. Mußten sie wahrscheinlich machen, stand so im Koalitionsvertrag.

Meine Lust, noch mal zu irgendeiner Wahl zu gehen befindet sich derzeit im freien Fall. Warum um alles in der Welt sollte ich irgendeinen dieser Menschen mit meiner Stimme dazu berechtigen, sich die nächsten vier Jahre ein prachtvoll bezahltes und bequemes Leben zu machen? Meine Interessen werden doch schon lange nicht mehr vertreten, was vermutlich daran liegt, daß man sie von dem Ort, von dem Parlamentarier auf die Welt schauen, nicht mehr sieht.

  • Rentensystem an die sich unweigerlich verändernde Demographie anpassen? Wozu? Meine Rente ist sicher, großzügigst bemessen und ich habe dafür noch nicht einmal was einzahlen müssen.
  • Pflegeversicherung an die sich unweigerlich verändernde Demographie anpassen? Wozu? Ich schließe eine private Versicherung ab, die das regelt. Geld genug habe ich ja.
  • Krankenversicherungsbeiträge stabilisieren? Haben wir doch: alle weiteren Steigerungen der Beiträge sind alleine vom Arbeitnehmer zu tragen. Also sind die Beiträge aus Arbeitgebersicht stabil. Das ist ja das Wichtigste.
  • Löhne, die es dem Arbeitnehmer ermöglichen, von seiner Arbeit zu leben? Haben wir, alles eine Frage, wie viele Jobs man hat.
  • Steuergerechtigkeit herstellen oder sie zumindest verbessern? Den vielbeschworenen Mittelstand stärken? Steht nicht im Koalitionsvertrag, tut mir leid.
  • Strompreise, die nicht jedes Jahr um mehrere Cent/kWh steigen? Geht leider nicht, wir haben beim Schreiben des EEG etwas gepennt und das sind jetzt die Folgen.

Und so weiter und so fort. Ich bin sicher, ich habe noch den einen oder anderen Punkt vergessen aber alleine das reicht, um mich politikverdrossen zu machen. Ich glaube, ich gönne mir mal den Spaß und schreibe meine Bundestagsabgeordnete an und stelle ihr eine oder zwei Fragen.