Archive Oktober 2009

Das wars

Das Gespräch gestern beim Onkologen hat genau das erwartete Ergebnis gebracht.

Es macht aus seiner Sicht keinen Sinn mehr, die Chemotherapie fortzusetzen, da sie keine vorzeigbaren Ergebnisse gebracht hat, sondern nur Nebenwirkungen. Das ist faktisch eine Kapitulation.

Auf eine Prognose zur verbleibenden Zeit angesprochen kam die Aussage “Das hängt von vielerlei ab, aber ich würde einige Wochen sagen.”. Jetzt bleibt meiner Mutter (in der Hauptsache) und mir nichts anderes mehr zu tun, als dem Mann seine letzten Tage so angenehm wie möglich zu machen.

Wir haben es beide geahnt, aber es zu hören ist trotzdem nicht schön.

Die Woche der guten Nachrichten

Das ist eine Woche, wie man sie nur selten erlebt.

Dienstag die Mitteilung meiner Mutter über das Ergebnis der CT und der Bluttests.
Gestern sind Sohn und ich spontan auf die Idee gekommen, bei meinen ältesten Freunden auf einen Spontanbesuch einzufallen. Es ist schon eine Weile her, daß man sich gesehen hat, also besteht eine gewisse Wahrscheinlichkeit, daß dieser Besuch willkommen sein könnte. Der Herr des Hauses ist auch tatsächlich da. Man unterhält sich so ein paar Minuten, bevor ich die Frage stelle “Frau und Kind sind ausgeflogen?”. Er schaut mich seltsam an und erklärt “Ja, langfristig.”. Seine Frau (die meine beste Freundin ist) hat im Juli die Sachen gepackt und ist gegangen. Je mehr er erzählt, desto bekannter kommt mir das alles vor. Die schleichenden Veränderungen, dieses seltsame Gefühl, die Erklärung “Es gibt jemand anderen und ich liebe ihn”. So ist aus dem geplanten Kurzbesuch mit Kaffeetrinken eine fast zweistündige Veranstaltung geworden. In dieser Zeit hat er mir so viel und so persönliches erzählt, wie in den mehr als zehn Jahren die wir uns kennen nicht. Als ich gegangen bin, war ich doch erschüttert. Mir war klar, daß in dieser Ehe nicht alles zum Besten steht, aber damit hatte ich nun wirklich nicht gerechnet.
Heute steht das Gespräch mit dem Onkologen an. Auch dort ist zu vermuten, daß nicht viel Gutes auf den Tisch kommen wird.
Mal schauen, was morgen kommt.

Eigentlich

sollte jetzt an dieser Stelle eine lockere Zusammenfassung des vergangenen Wochenendes stehen. Der Panda und ich waren weg und es ist so daß eine oder andere vorgefallen, was es durchaus wert ist, festgehalten zu werden.

Statt dessen schreibe ich über etwas deutlich weniger angenehmes. Mein Vater war zum CT und zur Blutuntersuchung. Gestern gab es die Ergebnisse. Die lassen sich mit einem Wort zusammenfassen: verheerend. Blutwerte sind hundsmiserabel, weswegen er morgen Konserven bekommt, um das Blutvolumen wieder aufzufüllen. Das CT hat enthüllt, daß die Chemo mehr oder weniger wirkungslos geblieben ist. Es sind neue Punkte in Milz, Leber und Lunge aufgetaucht, die allesamt nichts Gutes verheißen. Nach Aussage des Onkologen könnten die Punkte in der Lunge auch eine Entzündung sein, er will das prüfen. Morgen ist wieder Termin beim Onkologen, da will ich dabeisein. Der Arzt hat sich freundlicherweise bereiterklärt einen Termin am ganz späten Nachmittag zu machen, damit es mir einfacher möglich ist, dazusein.
Ich bin gestern abend noch mal zu meinen Eltern gefahren, um mal nach den beiden zu schauen. Mein Vater war noch wach und konstatierte “Mit mir geht es zu Ende.” um mit mir dann noch mal festzulegen, was nach seinem Tod mit seinem Auto und allem was sonst noch so da ist, passieren soll. Anschließend hat meine Mutter mich gefragt, was ich von einem Hospiz halten würde. Noch so eine Unterhaltung, die ich eigentlich lieber nicht führen würde. Dafür hat Sie meine dringende Empfehlung befolgt und sich um einen Pflegedienst gekümmert. Der wird ihr ab nächster Woche dreimal wöchentlich zur Hand gehen, wenn es nach Plan läuft. Der Hausarzt hat für meinen Vater eine Dekubitusmatratze beantragt, die in zwei bis drei Wochen geliefert werden soll. Hoffentlich wird sie dann noch gebraucht.

Auch wenn ich gerne optimistisch wäre, kann ich es nicht sein. Alle Hoffnung richtet sich darauf, daß es keine endlose Leidensgeschichte wird und daß er so wie bisher schmerzfrei bleibt.

Kontextsensitiv

Wenn ein Handwerker über spanabhebende Bearbeitung spricht, dann ist das etwas, was einen nicht weiter beunruhigen muß.

Wenn der Sysadmin diese Worte spricht, sollten alle Alarmglocken schrillen. Denn normalerweise ist das eine höfliche Umschreibung für einen Headcrash. Was wiederum eine lautmalerische Beschreibung für einen totalen Datenverlust ist.

Daß die betroffene Terabyte-Festplatte nur zur Hälfte gefüllt war konnte den Benutzer auch nur wenig trösten.

Verschoben

Beginnen wir mit einer Rückblende, so ca. 18 Monate. Vielleicht auch zwei oder drei Monate mehr.

Mein Vater läuft, mit Heckenschere und Rasenmäher bewaffnet, rund ums Haus und sorgt im Auftrag des Hausbesitzers für Ordnung in den Grünflächen. Er ist den ganzen Tag aktiv und denkt gar nicht daran, sich mal hinzusetzen oder einen Tag schlicht zu verlungern.

Überblendung in die Gegenwart.

Derselbe Mann strahlt vor Freude und Stolz, als er mir zeigt, das er zwei Treppenabsätze ohne Pause und Hilfe hoch- und wieder herunterkommt. Er hat die Wohnung seit vielen Wochen nicht mehr aus eigener Kraft verlassen können und verbringt einen Großteil des Tages damit, zu sitzen, zu liegen und zu schlafen. Daß macht er nicht freiwillig, ihm fehlt einfach die Kraft. Was das mit seinem Selbstwertgefühl anrichtet, vermag ich mir gar nicht vorzustellen. Aber aus diesem Körper, der seit der Zeit der Rückblende ungefähr 32 Kilogramm an Gewicht verloren hat, ist einfach nicht mehr herauszuholen.

Was ich mit dem Titel sagen wollte, ist folgendes: die Maßstäbe für das, was außergewöhnlich und erfreulich ist, haben sich in den letzten 18 Monaten erheblich verschoben. Dinge, die früher als völlig normal angesehen wurden sind heute Grund zur Freude. Dinge, die früher normal waren wird er, aller Voraussicht nach, nie wieder können. Das ist manchmal schwer zu akzeptieren. Für meine Mutter, für mich und ich glaube auch für Sohn. Der beginnt gerade zu begreifen, daß sein Opa (an dem er sehr hängt) wahrscheinlich an dieser Krankheit sterben wird. Und das er (Sohn) nichts dagegen tun kann.

Hallo auch, Montag

So muß eine Woche beginnen.

Man wankt sehr früh morgens in die Küche, um festzustellen, daß man am Wochenende vergessen hat Müsli zu kaufen. Also wird das Frühstück wohl ausfallen.
Man schleppt sich in Richtung Badezimmer, als man ein vertrautes Piepsen aus Richtung der Kommode hört: das Bereitschaftshandy. Eine halbe Stunde vor Ende der Bereitschaft rappelt es noch einmal. Am anderen Ende: eine ekelhaft gut gelaunte Kollegin der Frühschicht. Die nächste halbe Stunde vergeht mit der Behebung des Problems.
Etwas wacher, aber mangels Kaffee immer noch nicht ganz wach, setzt man sich anschließend ins Auto, um dann von der CD, die man am Vorabend lautstark gehört hat, endgültig schockgeweckt zu werden.

Hallo Montag. Ich Dich auch.

Andersrum

Es gibt ein Plug-In für WordPress, das politisch unkorrekte Ausdrücke in ihr korrektes Gegenstück verwandelt. Aus der Beschreibung: “retarded” wird zu “mentally challenged”. Nur als Beispiel.

Arbeitete es anders herum fände ich das schon interessanter.

Zahlenporno

Mal was spezielleres: die 45. Mersenne-Primzahl ist gefunden worden.

Abstrakt ausgedrückt lautet sie 243,112,609-1. Was man nicht sofort erahnen kann ist, daß sie ausgeschrieben deutlich über 12 Millionen Stellen lang ist. In diesem Monster findet sich u.a. (in keiner besonderen Reihenfolge):

  • zweimal das Datum des Beginns des zweiten Weltkrieges (01.09.39)
  • neunzehnmal das Datum 11.09.01
  • zwölfmal das Datum, an dem der erste Mensch den Mond betrat (20.07.69)
  • viermal mein Geburtsdatum (hätten Sie wohl gerne, was?)
  • dreizehnmal das Geburtsdatum des Pandas
  • siebenmal Sohns Geburtsdatum

Das Ganze scheint mir eher sinnfrei zu sein, aber ich stehe ja auf so was. Die ganze Zahl kann man sich hier besorgen. Achtung: die Anzeige einer knapp 13MB großen Webseite hat meinen Firefox samt Laptop an die Grenze der Leistungsfähigkeit gebracht. Eine verkürzte Version gibt es hier.

Nur mal zum Spaß die ersten 10.000 Stellen:

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