Und wieder ist es Sachsen

Und wieder ist es Sachsen

Wir lernen: in Sachsen ist es für die Justiz vollkommen in Ordnung, wenn rechtsradikale Arschlöcher Pappen im öffentlichen Raum aufhängen (ich werde sie nicht durch die Bezeichnung “Wahlplakat” adeln), auf die sie unter gemeinschaftlicher Aufbietung aller Deutschkenntnisse den Slogan “Hängt die Grünen” gekotzt haben.

Die Staatsanwaltschaft findet das völlig ok, kein Anfangsverdacht wegen irgendwas. Kann man hängen lassen, auch direkt vor der Wahlkampfzentrale der Grünen. Erst als der Dresdner Generalstaatsanwalt Aktivität befohlen hat, wurde sich bewegt.

Das Verwaltungsgericht Chemnitz hat sich dann doch überlegt, das so etwas ja eigentlich doch nicht geht. Es ist nicht so schlimm, das die Pappen weg müßten, nein nein. Aber es muß ein Abstand von 100 Metern zu Plakaten der Grünen gewahrt werden (Quelle). Mich würde sehr interessieren wie die Damen und Herren Richter auf ein Plakat “Hängt die Richter” direkt vor ihrem Arbeitsplatz reagieren würden.

Ganz ehrlich, ich habe gar keine Lust mehr, so zu tun als wäre das in Sachsen nur ein kleiner Teil der Bevölkerung. Ich erlaube mir hier ein Vorurteil zu haben und zwar das, das der Freistaat (ja klar) Sachsen eine dunkelbraune Masse ist, in allen Funktionen und Ebenen durchzogen mit Personen, die Neonazis aktiv und passiv unterstützen, wo es geht. Es tut mir leid für die wahrscheinlich vorhandenen paar korrekten Einwohner, aber ihr könnt das auch nicht mehr retten.

Sachsen ist meiner Ansicht nach verloren, es bleibt zu hoffen das die braune Masse nicht über Landesgrenzen schwappt. Oder vielleicht verkünden sie ja die Sezession. Meine Stimme hätten sie.

Ein Abgang

In der Zusammenfassung der Geschehnisse des vergangenen Jahres habe ich eines glatt vergessen: Hupe hat uns verlassen.

Sie ist nicht gestorben, sondern hat uns verlassen, nachdem wir versucht hatten, ihr eine Tablette zur Entwurmung einzuflößen. Nachdem sie uns die Pille vor die Füße gespuckt hat, hat sie unser Grundstück verlassen um nicht zurückzukehren. Sie ist letztes Jahr von einem Mitglied des Kleingartenvereins nebenan offiziell adoptiert worden. Vorher war sie wohl so etwas wie das Vereinsmaskottchen.

Eine neue Katze hat es bisher nicht gegeben. Aber was nicht ist kann ja noch werden.

Nette Spielerei

Falls sie mal Langeweile haben, kann ihnen der Taschenrechner von Windows vielleicht helfen, das zu ändern. Der bietet nämlich eine Funktion, mit der man z.B. die Anzahl Tage zwischen zwei Datumsangaben ausrechnen kann.

Man gibt (s)ein Geburtsdatum an und erfährt, wieviele Tage man alt ist (als absolute Zahl) und schön aufgeschlüsselt in Jahre/Monate/Wochen/Tage.

So habe ich erfahren, das Schnittchens 3.000 Tagejubiläum knapp verpaßt wurde, das ich in weniger als 800 Tagen mein 20.000 Tagejubiläum feiern kann und das die Kleine und ich seit über 3.000 Tagen verheiratet sind.

Etwas ernüchternd war die Auskunft, das bis zu meinem Rentenbeginn am 01.02.2036 noch 14 Jahre, 4 Monate und 3 Wochen vergehen müssen. Das sind 5.257 Tage. Ok, davon gehen 52 Wochenenden pro Jahr ab (2*52*14=1.456 Tage), 30 Tage Urlaub pro Jahr (14*30=420 Tage) sowie diverse Feiertage (ich glaube, es sind neun pro Jahr in NRW. Korrigieren sie mich. Also 14*9=126 Tage). Macht also über den Daumen 5.257-1.456-420-126=3.255 Tage, an denen ich der Erwerbsarbeit nachgehen muß.

Aber es könnte schlimmer sein. Unser jüngster Kollege ist 27, bei dem stehen noch 40 Jahre auf der Uhr.

Eine Empfehlung

Mir ist zwar sehr klar, das da draußen niemand auf meine Empfehlung wartet, aber solche Kleinigkeiten schrecken mich nicht. Also: Leseempfehlung

Auch für den Techniklaien verständlich geschrieben und voller interessanter Hintergründe zu einigen der ekligsten Gestalten der Republik. Nach der Lektüre werden einem mindestens zwei Sachen sonnenklar:

  1. gegen die gesammelte Intelligenz einer hinreichend motivierten Gruppe kommt man nicht an
  2. man möchte nicht auf dem Radar von Anonymous auftauchen, wenn man Dreck am Stecken hat

Also bitte, lesen sie und staunen sie.

Ein U-Boot

Einmal im Jahr taucht es auf.

Andere machen das zu Weihnachten und tauchen mehr aus Gewohnheit denn aus Überzeugung in der Kirche zum Gottesdienst an Heiligabend auf, ich mache das hier in meinem Blog.

Da ja inzwischen mehr als ein Jahr seit dem letzten Post vergangen ist, wäre es also wieder höchste Zeit.

Mal sehen… was gibt es denn zu berichten…

Erfreuliches zuerst:

Ich bin nach wie vor mit der gleichen Frau verheiratet. Dieses Jahr haben wir den neunten Hochzeitstag oder auch Keramikhochzeit, wie Google weiß.

Auch mit dem Schnittchen ist alles prima. Sie hat jetzt das dritte Schuljahr begonnen und ist immer noch mit Schwung und Elan dabei. Meistens jedenfalls. Sie reitet immer noch gerne und so allmählich zieht der Schwierigkeitsgrad an. Die Zeiten, in denen es darum ging einfach nur oben zu bleiben sind vorbei.

Sohn hat sein Abitur gemacht und bereitet sich jetzt auf sein Studium vor. Leider ist unsere Beziehung erheblich abgekühlt, um nicht zu sagen, sie liegt in Trümmern. Woran das liegt weiß ich nicht, es war ein schleichender Prozeß. Auf Nachfragen kam leider nichts greifbares, auch ein Gespräch hat nicht erhellendes zu Tage gefördert. Stand heute ist, das wochenlang kein Kontakt stattfindet und Versuche welchen aufzubauen kommen meistens von mir und versanden für gewöhnlich. Das belastet mich mehr, als ich mir zugeben möchte.

Sein Stiefbruder hat ebenfalls sein Abitur gemacht und startet nächsten Monat in sein duales Studium. Da dieses weiter entfernt von seinem Elternhaus stattfindet, musste er sich vor Ort eine Wohnung suchen. Bei der Erledigung all dessen, was zu so einem Schritt gehört ist er zum ersten Mal in Kontakt mit der Realität gekommen. Heißt: für viele Dinge, die bis selbstverständlich waren muß er jetzt Geld bezahlen (Internet, Strom, Wasser). Auch ein voller Kühlschrank ist plötzlich nicht mehr selbstverständlich. Wäsche wird nicht mehr von selber sauber und trocken, nachdem man sie in den Wäschekorb gelegt hat. Aber er macht sich ganz gut bisher.

Die Kleine tickert so durch ihr Leben. Es gibt bessere und schlechtere Tage, aber im Großen und Ganzen geht es ihr gut (soweit ich das beurteilen kann).

Für mich war das Jahr 2019 durchwachsen. Lange überwunden geglaubte Probleme (leichte Depressionen) sind wieder aufgetaucht und es hat gedauert, sie in den Griff zu bekommen. Dummerweise waren sie teilweise so stark, das es auf die Arbeit durchgeschlagen hat. Das wurde natürlich irgendwann bemerkt und dank eines wenig verständnisvollen Chefs (“Du mußt einfach Sachen machen, die dir Spaß machen. Das ist doch alles gar nicht schlimm.” war sein ernstgemeinter Rat) war von der Seite keine Unterstützung zu erwarten. Dafür ist unser Verhältnis seitdem etwas angespannt. Gesundheitlich hätte es auch besser laufen können. Wegen des schon seit Jahren angeschlagenen rechten Knies konnte ich irgendwann kaum noch schmerzfrei laufen und im Endeffekt mußte ich im Juni 21 operiert werden. Seitdem trage ich eine Metallplatte inklusive einem halben Dutzend Schrauben in meinem Schienbeinkopf spazieren. Wenn der Orthopäde recht behält, sichert mir diese Prozedur mindestens zehn Jahre schmerzfreies Laufen.

Und jetzt zum Unerfreulichen.

Seit dem letzten Eintrag hatte sich die Gesundheit meiner Mutter immer weiter verschlechtert. Ihr Tod im Dezember 2020 war mehr Erlösung als alles andere. Bis dahin mußten wir miterleben, wie sie regelmäßig per Rettungswagen ins Krankenhaus gebracht werden mußte. Einer der traurigen Höhepunkte war der Tag, an dem ihre Nachbarn die Polizei geholt haben, weil sie bemerkt hatten, das um neun Uhr morgens die Zeitung noch vor der Tür lag. Nachdem die Polizei die Wohnung geöffnet hatte, haben sie sie im Badezimmer bewußtlos vor dem Waschbecken gefunden. Wie und wann sie dahin gekommen ist, konnte sie später nicht erklären. Ebenfalls ganz speziell das Telefonat mit der Intensivmedizinerin, die mir bei einer anderen Gelegenheit sagte, das ihre Blutgase völlig daneben sind, dieses potentiell lebensbedrohlich werden könne und man sie deshalb per Maske beatmen würde. Sollte das nicht helfen, müsse man intubieren. So weit, so schlecht. Dann aber sagen zu müssen, das laut der Patientenverfügung meiner Mutter eine Intubation nicht in Frage käme war hart. Denn das bedeutet, das sie wahrscheinlich sterben wird und das habe ich ausgelöst. Gut, ich habe nur ihren Willen ausgeführt, aber das tröstet in dem Moment überhaupt nicht, das kann ich ihnen sagen. Nummer drei der Tiefpunkte in 2020 war das Gespräch, das ich mit ihr führen mußte, nachdem mir der behandelnde Arzt in der Geriatrie bestätigt hatte, was ich schon lange geahnt, nein gewußt, hatte: sie kann nicht mehr alleine wohnen. Ihr erklären zu müssen, das sie nie wieder in geliebte Wohnung zurückkehren sondern in ein Pflegeheim ziehen wird das läßt sich kaum in Worte fassen. Ihr einige Wochen vorher nahezubringen, das sie in Zukunft zweimal täglich Besuch von einem Pflegedienst bekommen wird war schon schwer, aber nichts im Vergleich zu dieser Unterhaltung. Was diese Gespräche bei ihr angerichtet haben, vermag ich nicht ansatzweise zu ermessen.

An dieser Stelle möchte ich mich bei allen Menschen bedanken, die ich Laufe des Jahres kennengelernt habe, während ich versucht habe, mich durch den Dschungel des Sozialwesens zu schlagen. Viele dieser Menschen haben deutlich mehr für mich und dadurch für sie getan als sie gemußt hätten. Sie haben mir Abläufe und Zusammenhänge erklärt. Tricks und Kniffe aufgezeigt oder einfach nur Formulierungen für Schreiben genannt, die hilfreich waren. Sie haben mich auf Rechte und Ansprüche hingewiesen, die meiner Mutter zustanden, die aber nicht wirklich explizit irgendwo erwähnt wurden.

Diese sind ohne Anspruch auf Vollständigkeit und ohne besondere Reihenfolge:

  • die Sozialdienste der verschiedenen Krankenhäuser
  • die Grünen Damen
  • Mitarbeiter der Techniker Krankenkasse
  • Ärzte und Pfleger der verschiedenen Krankenhäuser
  • ganz besonderen Dank an den Mitarbeiter des Heims für die Kurzzeitpflege, der einfach ein Bett fast zwei Wochen freigehalten hat, weil unklar war, wann meine Mutter aus dem Krankenhaus entlassen wird. Das hat so vieles leichter gemacht.
  • die Mitarbeiter des Pflegedienstes, die auf die kurze schnelle die Betreuung sichergestellt haben. Ohne Vorlaufzeit, ohne murren, einfach so von jetzt auf gleich

Was die Kleine in dieser Zeit für mich getan hat, kann ich kaum wieder gutmachen. Sie hat mir den Rücken freigehalten, hat an den richtigen Stellen gesprochen oder geschwiegen und mir praktisch unter die Arme gegriffen, wo es nötig war. So hat sie sich darum gekümmert, das Heimzimmer so gemütlich und ansprechend zu gestalten, wie es eben geht. Sie weiß das ich das überhaupt nicht kann und hat es also selber in die Hand genommen. Diese Entlastung war Gold wert.

Das die Götter sich diesmal verkniffen haben, mir alberne Streiche zu spielen und dadurch die Sache zu erschweren finde ich auch eine Erwähnung wert. Vielleicht waren es ja auch sie, die dafür gesorgt haben, das mein zweiter Anruf in einem Heim zwecks Platzsuche bereits erfolgreich war. Es ist, glaube ich, nicht unbedingt selbstverständlich in einem Heim in der Nähe ein sofort bezugsfähiges Einzelzimmer zu finden. Falls ihr Götter etwas damit zu tun hattet, entbiete ich euch meinen tiefempfundenen Dank.

 

Replik auf einen Beitrag in einer WhatsApp-Gruppe in der ich Mitglied bin

Vor einigen Tagen kam ein weitergeleiteter Beitrag in meine Timeline, in dem es um eine Rede ging, die ein Kinderarzt auf einer “Freiheitsversammlung” in München gehalten hat. Diese Rede habe ich erst mehrfach gelesen, mich in zunehmendem Maße darüber geärgert und nach ein bißchen Bedenkzeit habe ich mich entschlossen, eine Replik zu schreiben. Denn wenn solche Texte unwidersprochen bleiben, lösen sie bei dem einen oder anderen unter Umständen eine mentale Bewegung in eine verhängnisvolle Richtung aus. Vielleicht kann ich mit diesem Text Nachdenken und Hinterfragen auslösen.

Zur Person

Martin Hirte ist Kinderarzt in München. Was er nicht ist, ist Virologe, Infektiologe oder Epidemiologe. Wer bei ihm behandelt werden möchte, muss privat versichert sein oder aus eigener Tasche bezahlen.

Er ist außerdem Homöopath und Impfgegner sowie Autor mehrerer Bücher, die im Kopp Verlag erschienen sind.

Zur Einordnung: der Kopp Verlag ist rechtsesoterischer Verlag, der Bücher verkauft mit Titeln wie

  • Das Anglo-Amerikanische Establishment (Die Geschichte einer geheimen Weltregierung)
  • Das Theater um Greta und die Klima-Hysterie (Leugner Blender Scharlatane)
  • Durch globales Chaos in die neue Weltordnung
  • Die Öffnung des 3. Auges (Quantenphilosophie unseres Jenseits-Moduls)
  • Mein Vater war ein MiB

Eine ausführliche Beschreibung Martin Hirtes finden sie hier. Eine Rezension seines Buches Impfen Pro & Kontra gibt es hier. Sie sollten sie lesen, sie vermittelt einen Einblick in die Ansichten und Arbeitsweisen von Martin Hirte. Machen sie ruhig, ich warte solange.

Für mich persönlich hat sich das Thema an dieser Stelle bereits erledigt. Impfgegner (auch wenn sie unter dem Deckmantel des “man wird doch fragen dürfen” daherkommen) sind widerwärtige Arschgeigen, die bereitwillig das Leben und die Gesundheit ihrer Kinder riskieren. Wobei sie selber für gewöhnlich durchgeimpft sein dürften, denn ihre Eltern waren hoffentlich schlauer. Ergänzend kommt noch hinzu, das er an die Wirksamkeit von Zucker bei der Behandlung von Krankheiten glaubt. Wer das tut, spielt mit der Gesundheit anderer. Aber sie ist lukrativ für denjenigen der sie verschreibt. Ich halte es bei der Homöopathie mit dem Satz Wer an Homöopathie glaubt, muss dran glauben.

 

Die Rede

Was als erstes auffällt, ist die Form. Kurze Sätze, oft weniger als zehn Worte. Knallige Thesen in der Art von Überschriften der Bild. Immer wieder. Eine nach der anderen.

Diese Form wird gerne genommen, um beim Hörer das kritische Denken und Hinterfragen zu überfordern. Denn während man sich noch mit einem Satz beschäftigt, sind die nächsten drei schon an einem vorbeigedonnert, ohne das man eine realistische Chance hatte, sie zu durchdenken. Es bleibt nur das Gefühl zurück, das der Satz ausgelöst hat.

Ebenfalls auffällig: es werden Behauptungen aufgestellt, die niemals irgendwo belegt werden. Wenn ich z.B. behaupte, die Studie von Christian Drosten zur Infektiosität von Kindern weise eklatante Mängel auf, dann muss ich diese steile These auch in einer Rede in irgendeiner Form belegen. Der Hinweis, so hätte es im Ärzteblatt gestanden und wir wüßten das aus Österreich, Schweden, Island, Italien und den Niederlanden (ebenfalls ohne Belege behauptet) gilt nicht.

Es wird die ganze Gefühlsklaviatur von Eltern bespielt, die dafür natürlich besonders empfänglich sind. Kein Elternteil möchte, das sein Kind Einschränkungen der Art unterworfen wird, wie sie derzeit gelten. Ich sähe es auch lieber, wenn meine Tochter wie immer in die Schule ginge und sich mittags zum Spielen verabreden könnte. Kombiniert mit der oben bereits angesprochenen Form seiner Rede baut er eine aggressive Stimmung gegen die herrschende Situation auf, indem er uns das tatsächliche oder erfundene Leid der Kinder um die Ohren haut. Ausgelassen wird passenderweise, das alle angesprochenen Verluste von Fähigkeiten total reversibel sind. Wenn die Kinder wieder in die Schule oder Kita dürfen, werden sie sehr schnell wieder die Fähigkeiten zurückbekommen, deren Verlust Herr Hirte so lautstark beklagt.

Überhaupt: woher hat er diese Erkenntnisse über das Leid der Kinder? Laut seiner Aussage “aus seiner kinderärztlichen Tätigkeit”. Seine Datenbasis sind also die wohlhabenden, impfkritischen und homöopathiefreundlichen Eltern aus München? Daraus leitet er also ab, wie es den Kindern in Deutschland allgemein geht? Daraus und aus “einer(!) syrischen Familie, die er kennt”? Ich bin kein Statistiker, aber ich sehe da ein Problem. Vielleicht hat er ja noch andere Quellen, aber die verrät er nicht.

Irgendwann versteigt er sich zu der Forderung, Kitas und Schulen sollten sofort für alle und ohne Einschränkungen, ohne Maskenpflicht, ohne Abstandsregeln wieder geöffnet werden. So eine Forderung kann man eigentlich nur stellen, wenn man glaubt, das Krankheiten mit ein Zucker hervorragend heilbar sind.

Es gibt keine belastbaren Erkenntnisse darüber, ob Kinder ansteckend sind oder nicht. Es gibt für beide Möglichkeiten Studienergebnisse, aber da diese Krankheit noch so neu und unbekannt ist, kann sich jederzeit etwas ändern. Das ficht Herrn Hirte aber nicht an. Öffnen und zwar jetzt. Das damit eventuell alle erwachsenen Mitarbeiter einer unter Umständen lebensbedrohlichen Krankheit ausgesetzt werden nimmt er in Kauf. Das “Recht der Kinder auf Spiel mit anderen Kindern” (wo steht das eigentlich?) wiegt schwerer für ihn als das Recht auf körperliche Unversehrtheit der Erzieher*innen, Lehrer*innen und sämtlicher anderer Mitarbeiter*innen dieser Einrichtungen. Das Recht auf körperliche Unversehrtheit findet sich übrigens im Grundgesetz, §2, Abs. 2.

Um zu unterstreichen, wie sinnlos die ganzen Maßnahmen zur Eindämmung sind, zieht er das altbekannte Argument der vielen tausend Toten durch eine beliebige andere Krankheit (hier: Lungenentzündung mit 60.000 Toten im Jahr) aus der Tasche. Die erste Frage ist natürlich, woher er die Zahl hat. Dreißig Sekunden bei der Suchmaschine ihres Vertrauens bringen sie auf diese Seite der Gesundheitsberichtserstattung des Bundes. Hier wird für das Jahr 2018 (aktualisiert am 19.05.2020, neuere Zahlen gibt es nicht) fein säuberlich aufgeschlüsselt, wieviele Menschen an welcher Form der Lungenentzündung gestorben sind. Es sind laut der amtlichen Statistik 23.885. Das ist sehr weit entfernt von den behaupteten 60.000. Es sei denn, Herrn Hirte lägen aktuellere Zahlen vor, die zeigen, das die Zahl der tödlich verlaufenen Lungenentzündungen innerhalb von 18 Monaten (01.01.19 – 31.05.20) um den Faktor 2,5 angestiegen wäre. Solange das nicht geschieht, unterstelle ich Stimmungsmache. Ganz außen vor lasse ich jetzt, das einen gewaltigen Unterschied zwischen Lungenentzündung und Corona gibt: das eine ist hochansteckend, das andere nicht. Das bedarf keiner weiteren Erklärung, glaube ich.

Und damit zum eigentlichen Unsinn dieses Arguments: es geht bei den Maßnahmen der Bundesregierung nicht primär um die Verhinderung von Todesfällen. Es geht primär darum, die Krankenzahlen so gering zu halten, das jeder Erkrankte so gut wie möglich behandelt werden kann. Es geht darum zu verhindern, das das Gesundheitssystem von einer Flut an schwer kranken Menschen überrollt wird. Es gibt in Deutschland 30.058 Intensivbetten, davon sind 12.665 frei (Quelle). Um diese Betten geht es. Wenn der Krankheit nicht mit allen Mitteln Einhalt geboten wird, werden diese Betten nämlich sehr schnell mit Coronapatienten gefüllt sein. Diese brauchen dann unter Umständen 11 bis 14 Tage Beatmung (Quelle) und sind dann nicht aus der Intensivstation heraus. Dazu kommen noch die anderen armen Teufel, die aus unterschiedlichen Gründen intensivmedizinisch betreut werden müssen. Keiner kann wollen, das Ärzte entscheiden müssen, wer das freie Intensivbett bekommt und wer nicht. Denn dies ist eine Entscheidung über Leben und Tod. Erwähnte ich übrigens, das medizinisches Personal, welches sich auf die Beatmung von Intensivpatienten versteht ein knappes Gut ist?

Die vielen kreativen Konzepte, die es laut Herrn Hirte gibt, die ohne Entwürdigung von Menschen und Kindern (interessante Unterscheidung) und ohne Zwang und Strafen auskommen würden mich brennend interessieren. Aber leider behält er dieses Wissen für sich.

Und so geht es weiter. Pandemie-Maßnahmen sind wirkungslos, zahlreiche Wissenschaftler haben das vorgerechnet (welche? Auf Grundlage welcher Daten? Wo sind die Ergebnisse?). Ich weiß nicht, ob das belastbar ist, aber ein Blick in Gegenden, in denen weniger oder laxere oder gleich gar keine Maßnahmen ergriffen wurden zeigt, wie eine Pandemie auch verlaufen kann. Beispiel Schweden, Brasilien oder einzelne Bundesstaaten der USA. Ungleich höhere Infektions- und Sterberaten im Vergleich zu Deutschland. Oder vor unserer Haustür: ein Treffen in einem Restaurant in Niedersachsen hat 18 neue Erkrankungen produziert (Quelle), ein Gottesdienst ein Frankfurt am Main zu 133 Erkrankungen (Quelle). Liegt es vielleicht doch an den ergriffenen Maßnahmen, das wir halbwegs glimpflich davon gekommen sind?

Und endlich, endlich kommt Herr Hirte zum Kern der Sache. Kinderärzte und Psychologen sollen Schutzmasken tragen. Das empfindet er persönlich als “tiefe Demütigung”. Er soll als studierter und promovierter Zuckerbäcker eine Schutzmaske tragen, um seine Patienten  zu schützen. Wo kommen wir denn dahin? Weiter unter versteigt er sich dann noch zu der Aussage, seine Würde wäre seit Wochen eingeschränkt, denn er könne sich nur noch heimlich mit anderen treffen. Noch einmal zum Mitschreiben: ein Arzt trifft sich zu einer Zeit, in der eine ansteckende und potentiell tödlich verlaufende Krankheit grassiert, heimlich mit anderen Menschen seiner Denkungsart. Um die Würde aller Anwesenden zu bewahren sind diese Treffen 100% mundschutzfrei (Vermutung!). Am nächsten Tag sitzt dieser Arzt wieder in seiner Praxis, behandelt Patienten, spricht mit Eltern, Angestellten, vielleicht dem einen oder anderen Vertreter. Ob er dabei einen Mundschutz trägt, kann ich nur hoffen. Dieser Mann kotzt mich an.

Gegen Ende seiner Rede versteigt er sich dann noch zu Fantastereien, das die Mainstream-Presse (warum nicht Lügenpresse, wenn man schon mal dabei ist?) gäbe falsche Zahlen kritiklos wieder, die wirtschaftliche Existenz zu verlieren entwürdige Menschen (das eigene Leben oder einen Angehörigen zu verlieren wäre anscheinend die deutlich bessere Alternative) und als Schmankerl vergleicht er unsere derzeitige Situation mit dem Leben in Nordkorea. Dazu bedient er sich des Rechtsphilosophen Uwe Volkmann, der wohl etwas derartiges gesagt hat. Wie sehr würde ich mir wünschen, Herr Hirte wäre für einige Jahre gezwungen, in Nordkorea zu leben. Wie gerne würde ich ihm zuhören, wenn er bei seiner Rückkehr über Würde und Freiheit salbadert.

Es gäbe noch mehr, was an dieser Rede unbedingt kritikwürdig ist, aber ich habe keine Lust mehr.

Geht das?

Irgendein Plug-in hat mir gerade die Seite zerschossen, glaube ich.

 

[EDIT] Geht wieder. Ich habe zwar kein Polldaddy-Plugin mehr, aber dafür funzt die Webseite. Man kann eben nicht alles haben.

Man kommt kaum noch hinterher

Wenn man den Nachrichten folgt, dann kann einem schwindlig werden ob der Geschwindigkeit, mit der die Dinge sich ändern.

Die Volksparteien bei Wahlen im freien Fall, die Grünen kommen wie Kai aus der Kiste nach vorne, Merkel bereitet ihren Abgang vor und die potentiellen Nachfolger fangen an frei zu drehen, Horsti gibt stückweise die Macht ab. Die AfD sitzt in allen Landtagen und behauptet weiterhin standhaft, sie hätten mit dem ganz rechten Rand nichts zu tun. Man fasst es kaum. Und das passiert nur hier vor Ort, über das Geschehen in der großen weiten Welt rede ich erst gar nicht.

Man war halt an das Beständige gewohnt. Angie hat achtzehn Jahre die CDU geführt, war sechzehn Jahre die Chefin vons Ganze (wenn sie die Legislaturperiode durchsteht) und schien das in alle Ewigkeit weiter machen zu wollen. Die SPD läßt sich seit Jahren von der CDU in einer großen Koalition verwursten, bis zu dem Punkt, wo kaum noch jemand auf die Idee käme dieser Partei einen sozialdemokratischen Touch unterstellen zu wollen. Die Grünen und Linken nölen aus der politischen Unbedeutsamkeit an allem herum, können aber nichts ändern. Das Einzig neue der vergangenen Jahre: FDP ist zurück und AfD ist neu aufgetaucht.

Und jetzt hektische Betriebsamkeit. Da muss man sich erstmal dran gewöhnen…

 

Stroke unit

So heißt in Krankenhäusern die Station, in die Schlaganfallpatienten eingewiesen werden.

So wie heute meine Mutter.

Ist nach erster Einschätzung der Ärzte alles nicht ganz so schlimm, aber ich hätte trotzdem gut darauf verzichten können mal wieder die 112 anzurufen um einen Rettungswagen zu bestellen.

Wollte ich schon immer mal

Ein weiterer Punkt auf Liste der Dinge, die ich schon immer machen wollte kann abgehakt werden: einem leibhaftigen Weltmeister in irgendetwas die Hand schütteln.

Heute erledigt: einem Mitglied der deutschen Kanupolo-Nationalmannschaft die Hand geschüttelt. Die sind dieses Jahr in Kanada Weltmeister geworden.