ES REICHT!

An dieser Stelle eine Premiere: ich bitte Sie, den Leser oder die Leserin, sich an etwas zu beteiligen, von dem ich glaube, das es dringend nötig ist.

Ich möchte Sie bitten, die Petition gegen die Indizierung und Sperrung von Internetseiten zu zeichnen.

Warum sollten Sie das tun?

Unsere Familienministerin Ursula von der Leyen führt einen Kreuzzug gegen die Kinderpornographie. An sich ein uneingeschränkt begrüßenswertes Vorhaben. Die Art und Weise, wie sie ihn führt ist allerdings unerträglich. Frei von jedem Wissen um die Funktionsweise des Internets wird mit falschen bzw unbelegbaren Zahlen argumentiert (Quelle). Menschen (wie z.B. ich), die wissen, wie man einen DNS-Server ändert, machen sich verdächtig, Teil eines kinderpornokonsumierenden Zirkels zu sein (Quelle). Es wird von zufällig gefundener Kinderpornographie als „Einstiegsdroge“ gesprochen. Dieser Logik folgend müßte man auch schwul werden, wenn man Bilder nackter Männer anschaut. Grundlage der Sperrung soll eine geheime, keiner Kontrolle unterworfene Liste sein, die das BKA pflegt.

Ihr Versuch zielt darauf, Konsumenten von ihrem Tun abzuhalten. Wäre es nicht deutlich sinnvoller, vorher anzusetzen? Opfern eine Möglichkeit zu geben, sich irgendwohin zu wenden?  Polizisten zu schulen, die Quellen solcher Widerwärtigkeiten aufzuspüren und trockenzulegen?

Mehr Informationen zu dem Thema finden Sie unter dem angegebenen Link.

Davon, daß mit dem Einrichten von Internetsperren aus welchem Grund auch immer die Büchse der Pandora geöffnet wird, rede ich noch gar nicht. Denn wie will man der Film- oder Musikindustrie entgegentreten, wenn sie mit eigenen Listen kommt? Wer will kontrollieren, ob politisch mißliebige Seiten nicht in irgendeiner Liste landen und aus dem Internet verschwinden? Wer glaubt, so etwas sei nicht möglich, dem möchte ich gerne Blauäugigkeit unterstellen. [EDIT] Damit der Begrüßungsbildschirm nicht schon bald bittere Realität wird, bitte ich Sie, die Petition mitzuzeichnen. Denn sonst kann es sein, daß das Schild nicht mehr von mir ist.

Schlauschiesser

4 Kommentare

Henry Veröffentlicht am17:54 - 18. Mai 2009

Zensursula in Hochform.

Und selbst ohne technisches Know-How: „Eine Sperrung von Internetseiten hat so gut wie keinen nachweisbaren Einfluß auf die körperliche und seelische Unversehrtheit mißbrauchter Kinder.“ Punkt.

    Schlauschiesser Veröffentlicht am20:23 - 18. Mai 2009

    Daher die Frage, ob es nicht viel schlauer wäre, präventiv zu arbeiten anstatt so zu tun, als ob Grausamkeiten nicht passiert wären.

GTreide Veröffentlicht am20:15 - 20. Mai 2009

Gottseidank lange mitgezeichnet…

Ich finde es ja dann auch echt faszinierend, wie verkauft wird, dass 90% dafür sind, einfach weil sie nicht über die Unvollkommenheit und Alternativen aufgeklärt werden.

Da wird ein: „ich bin gegen Kindesmissbrauch“ als „ich bin für Netzsperren ohne jegliche rechtsstaatliche Grundlage, so wie von der Regierung geplant“.

Und dann erklärt uns der Chef von Infratest dimap noch, wieso das gar keine geführten Umfragen wären.

http://www.zeit.de/online/2009/22/netzsperren-infratest-interview?page=1

Das weiß doch nun echt jeder Medienstudent schon im ersten Semester besser.

    Schlauschiesser Veröffentlicht am10:27 - 21. Mai 2009

    Ein Student will aber auch nicht wiedergewählt werden…